Einrichten

1995

Magazinstraße 15, Berlin-Mitte
Das Jugendstilhaus in der Magazinstraße wurde 1906 in der Nähe des Alexanderplatzes errichtet und 1996 zu einem modernen Bürokomplex umgebaut. Die beiden Foyers sowie der große Innenhof sind mit drei eigenständigen Arbeiten zu einer Kunstachse verbunden.
Der zentrale Eingang des Bürohauses ist das Foyer 1. An der Decke des schmalen Raumes hängt eine tropfenförmige Skulptur aus Kunststoff, die die immense Raumhöhe von 8 Metern thematisiert. Auf dem Boden ist als Kontrapunkt ein kompakter, hochpolierter Bronzetropfen postiert, der in seiner Oberfläche den gesamten Umraum spiegelt. Beide Skulpturen sind fließend dynamisch und stehen so im Kontrast zu der funktionalen Architektur des Eingangsbereichs. Der abgeschlossene Innenhof mit seinen reich geschmückten Fassaden ist das Zentrum des Bürohauses. Hier tritt man in einen Kreis aus sieben unterschiedlich großen Gartenbänken. Die kleinste Bank scheint für ein zweijähriges Kind gefertigt zu sein, während die größte eine Höhe von zwei Metern aufweist.
Die Bänke dienen einerseits zum Ausruhen und als Ausblick auf die historischen Fassaden, andererseits fühlt sich der Benutzer durch die ungewöhnlichen Sitzhöhen auf sich selbst als Mensch zurückgeworfen. Ein verbindlicher Maßstab fehlt, da nur eine der sieben Bänke normale Größe aufweist. Der Innenhof erhält Platzcharakter und wird als öffentlicher Ort definiert. Von den oberen Stockwerken erscheint das Ensemble als spiralförmige Skulptur. Das hintere Foyer stellt eine Verteilersituation vor den Fahrstühlen dar und hat intimeren Charakter als das Foyer 1. An der Säule vor den Fahrstühlen ist ein Computerbildschirm eingelassen, der im Stil eines klassisches Tafelbildes gerahmt ist. In halbstündigem Takt wechseln ca. 100 verschiedene Bilder. Zu sehen ist das Interieur einer Privatwohnung aus verschiedenen Blickwinkeln. Das immerwiederkehrende Detail auf jeder Fotografie ist eine Stubenfliege.
 
Fotos: Raimund Koch